Wanderung durch das Land unter dem Jeschken (Ještěd)



Der Frühling ist eine schöne Jahreszeit, um das Land unter dem Jeschken (Podještĕdí) zu erkunden. Es ist das Land südlich und westlich des Jeschkenkammes, begrenzt etwa durch die Linie Liebenau (Hodkovice), Münchengrätz (Mnichovo Hradiste), Oschitz (Osečná), Seifersdorf (Žibřidice), Ringelshain (Rynoltice) und Pankratz (Jitrava). Ziel der Wanderung ist der Berggasthof 'U Šámalů'. Diese urige Gaststätte befindet sich in bevorzugter Lage auf dem Jeschkenkamm, dort wo der Kammweg die Waldgrenze erreicht und von wo sich eine weit ausladende Wiesen- und Heckenlandschaft gegen Osten, Süden und Westen erstreckt. Hier steht die Schänke im Schatten von alten Ahornbäumen und hat sich in ihrem Erscheinungsbild in den letzten 100 Jahren fast nicht verändert. Bereits 1864 erwarb Antonin Šámal die ehemalige Bauernkate und erhielt bald die Erlaubnis, eine Schankwirtschaft zu betreiben. Die letzte Renovierung soll 1928 stattgefunden haben und so präsentiert sich das Lokal bis heute. Es erfuhr seitdem eine sehr wechselhafte Geschichte. Nach Jahren der Schließung wurde die Gaststätte in den 90-er Jahren wieder eröffnet und man kann sich vorstellen, daß die Betreibung, wie bei vielen anderen Baudenwirten auch, nur mit einem guten Maß an Idealismus möglich ist, denn große wirtschaftliche Erfolge wird man hier kaum erzielen können. Besser als eine Schilderung in einem Wanderführer für das Jeschkengebirge kann man das Ambiente nicht beschreiben :

'Schon von weitem kann man den Geruch nach Pferden, Svijany-Bier und Zigenködel, im Sommer nach blühenden Wiesen und harzigen Wäldern wahrnehmen. Der Bergschänk mit der Kappe der Altvorderen lehnt sich aus dem hölzernen Ausschank, an den Wänden ruhige und edle Vaterlandsliebe: eine Karte der tschechoslowakischen Republik, ein Bild von Tomáš G. Masaryk und Fotografien von österreichischen Gebirgsjägern. Schön ist U Šámalů im Sommer, man kann sich hier mit einem Bier auf duftenden Rain hinter der Wirtschaft legen, die Sonne brennt und die Wiesen sind mit Eberwurz geschmückt, den grünweißen Sternen des Jesteder August. Zu Füßen liegen einem das Isergebirge, das Böhmische Paradies , Ralsko, Říp, Bezděz und das Riesengebirge. Die dreieckige Spitze der Schneekoppe ist auch durch das kleine Fensterchen am stillen Örtchen der Gastwirtschaft zu sehen'.

Auch, wenn diese Schilderung etwas prosaisch daher kommt, so kann man sich tatsächlich von dieser Stimmung einfangen lassen.

Natürlich muß man erst zu diesem Ort aufsteigen und glücklicherweise führt noch keine moderne Straße dahin. Die Wanderung beginnen wir am Fuße der Berge in Wesetz (Vlčetín) und gehen noch ein Stückchen südlich über Bila / Petrasovice. Es handelt sich dabei um typisch böhmische Dörfer umgeben von Wiesen und Feldern und so ist es ein schöner Anmarsch, das Jeschkenmassiv immer vor Augen. Der Weg zieht zunächst langsam, dann steiler werdend auf den Jeschkenkamm hinauf und der Blick auf die Gegend ringsum wird immer spektakulärer. Hat man den Kamm erreicht, kann man sich noch überlegen, ob man einen Abstecher zum neuen Riesenfaß auf dem Jaberlich unternimmt. Wenn man den richtigen Zeitpunkt für die Tour im Frühjahr gewählt hat, kann man sich an dem frischen Grün und den blühenden Hecken und Wiesen erfreuen. Bei den kleinen alten Bauernhöfen bei U Šámalů erhält man eine Vorstellung von der schweren Arbeit der Bergbauern hier oben. Vorsicht : Der Rückweg von U Šámalů, so wie auf der Übersichtskarte erkennbar, führt am Anfang stellenweise durch unmarkiertes Gelände und setzt gutes Schuhwerk sowie ein wenig Orientierungsvermögen voraus.



Drei-Berge Tour im Böhmischen Mittelgebirge (um Triebsch, Třebušín)


Schon Paudler wusste zu berichten: 'Nordböhmen... ist durch seine glückliche Lage und durch seine natürliche Beschaffenheit berufen, für zahllose Bewohner der Ebenen Nord- und Mitteleuropas eine einzige ungeheure Sommerfrische zu sein.... Berge und Hügel von mannigfaltiger Gestalt, blühende Täler, wilde Gründe, groteske Felsen, prächtige Aussichten... - wer in ein solches Land kommt, dem mag es schon auf einige Tage oder Wochen gefallen, und wenn er abreist, so freut er sich schon auf das Wiederkommen. ... Gar wunderbar sind die Aussichten und Rundsichten auf den einzelnen Höhen und Kuppen. Es ist keine Übertreibung, wenn der Politiker und Wallenstein-Forscher Hofrath Dr. Hermann Hallwich vor einigen Jahren den Ausspruch that, die Aussicht vom Kelch bei Triebsch zu genießen, lohne wohl eine Reise von 100 Meilen.'

Genau das ist heute der Plan. Der Kelchberg (Kalich) liegt im Böhmischen Mittelgebirge (České středohoří). Kegelförmige Berge modellieren die romantische Landschaft, welche durch die Elbe in den westlichen und östlichen Teil getrennt wird. Der Durchbruch wird auch das Tor zu Böhmen genannt. Die Tour ist schnell erzählt, die Distanz beträgt nur etwa 12 km, aber man sollte sich auf eine Tagestour einrichten und die Örtlichkeit genießen. Ausgangspunkt ist Triebsch (Trebusin) im östlichen Teil des Böhmischen Mittelgebirges. Zunächst geht es auf den schon genannten Kelchberg, sozusagen der Hausberg des Ortes, denn mit dem Aufstieg kann man unmittelbar im Ort beginnen. Dem Urteil Dr. Hallwichs über die Aussicht vom Kelchberg ist nichts hinzuzufügen. Auch die anderen beiden Ziele der heutigen Tour sind in Sichtweite und man kann sich in Gedanken den weiteren Weg zurechtlegen - im Westen die Jungfrau (Panna) und im Süden der Dreiberg (Trojhora). Auf dem Gipfel des Kelchberges baute sich der Hussittenführer Jan Žižka 1421 die bereits dort befindliche Burg aus, die er zuvor deutschen Rittern abgenommen hatte. Infolge der wechselhaften Geschichte wurde die Burg aber bereits 1437 von Truppen des Oberlausitzer Sechsstädtebundes erobert und zerstört.

Auch auf der Jungfrau befand sich im 15. Jahrhundert eine Burg, die aber nur eine Lebensdauer von 16 Jahren hatte. Heute führt kein ausgebauter Wanderweg auf den Gipfel, so daß man sich an alten Pfaden orientieren muß. Die Aussicht von diesem Gipfel steht der vom Kelchberg in nichts nach, so daß man auch hier gerne eine Rast einlegt. Schaut man hinüber zum Kelchberg, erhebt sich dahinter der mächtige Geltsch (Sedlo) mit seinem Sattel, dessen markante Silhouette neben dem Ronberg (Ronov) auch gut von den östlich gelegenen Gebirgen gesehen werden kann.

Obwohl der Dreiberg als solcher von Triebsch oder den beiden bereits hinter uns gelassen Bergen gut ausgemacht werden kann, so wird man seine Besonderheit noch nicht erkennen. Der Aufstieg, der uns über die Wipfel der Bäume bringt, ist sehr steil, aber vor allem erfordert der Wanderweg, der über den Gipfelgrat führt, doch ein gutes Maß Courage. Der Fels fällt beiderseits des Grats steil ab. Nur mit Vorsicht und Trittsicherheit sollte man diesen Weg angehen und sich gegebenenfalls nicht schämen, den Rückweg anzutreten und das Massiv zu umlaufen. Über die Aussicht, die einen hier erwartet, muß man kaum weitere Begeisterung von sich geben, würde das die Eindrücke von Kelchberg und Jungfrau doch nur schmälern.

Triebsch liegt in der Umgebung von Leitmeritz. Begünstigt durch die klimatische Lage etablierte sich hier an den Südhängen des Mittelgebirges traditionell der Obstbau Böhmens. Auch um Triebsch findet man noch zahlreiche Obstbaumalleen und Streuobstwiesen, die zwar erwerbsmäßig nicht mehr betrieben werden, aber um so üppiger ihre Früchte zur Schau tragen. Schade eigentlich um die Massen ungenutzter Zwetschgen, für die einem sofort eine zweckmäßigere Verwendung einfällt ... 


Lehrpfad im Muskauer Faltenbogen


Wir verlassen heute einmal die böhmische Landschaft und wenden uns einer völlig andersartigen Gegend zu, ganz im Norden der Oberlausitz. Hier befindet sich der Muskauer Faltenbogen. Jeder weiß natürlich, daß es sich dabei um eine Stauchendmoräne der Elstereiszeit handelt. Wir lassen uns darüber ausnahmsweise einmal durch Wikipedia aufklären. Da heißt es

'Der Gletscher, das Inlandeis, stauchte die vor und unter ihm liegenden Sand- und Braunkohleschichten auf mehr als 40 km Länge zu einem kleinräumigen Faltenbogen auf, der rezent als flachwelliger Hügelzug erhalten und weltweit nahezu einmalig ist.

Während man lange Zeit davon ausging, dass der Faltenbogen in der Saaleeiszeit gebildet wurde, entstand er nach neueren Untersuchungen bereits in der Elstereiszeit. Dass er im Bereich einer saalezeitlichen Endmoräne liegt, ist dabei eher zufälliger Natur.'

Alles klar? Kurz und gut, in der grenznahen Bergbaufolgelandschaft zwischen Deutschland und Polen wurde bei Lugknitz (Łęknica) aus Mitteln der Europäischen Union ein Geopark angelegt, durch welchen ein sehenswerter Lehrpfad mit einer Länge von ca. 5 km führt, der das aufgelassene Grubengelände durchquert, in dem bis in die 1970-ger Jahre noch Braunkohle und Keramikton abgebaut wurden. Die alten Gruben und Schächte haben sich mit Wasser gefüllt. Beachtlich sind die Erosionsformen an den Abraumhalden und die nährstoffarmen, versäuerten Seen, die hier entstanden sind. Bei entsprechenden Lichtverhältnissen erscheinen die Teiche in aufregenden Farben und die zerstörten, sterbenden Stümpfe der Bäume, welche aus den Tümpeln ragen, hinterlassen einen gespenstischen Eindruck. Der Lehrpfad ist etwa 5 km lang und somit auch geeignet für einen Familienausflug mit Kindern.


Die Wanderung kann man mit einem Besuch des Bad Muskauer Schlosses verbinden. Der Park ist sehr sehenswert und die Restauratoren können für sich in Anspruch nehmen, mit der Herrichtung des Schlosses ein wahres Kleinod geschaffen zu haben. Die Fürst-Pückler-Ausstellung ist fantasievoll gestaltet und versprüht einen Charme, der wohl dem vermeintlichen Charakter und dem Wesen des Schwerenöter Hermann Fürst von Pückler sehr gerecht wird.


Ein Blick nach Niederschlesien und die Grafschaft Glatz (Kłodzko) - Teil 1 -


Die Wojewodschaft Niederschlesien (Dolny Śląsk) ist im äußersten Südwesten Polens gelegen und grenzt an Deutschland und Tschechien. Das ehemals zu Deutschland gehörende Gebiet fiel bekanntlich im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs an Polen. Die ehemalige Grafschaft Glatz, wir wollen sie Glatzer Land nennen, ist Bestandteil dieser Region. Ebenso wie das Riesengebirge, welches ein bedeutender Standort für den Tourismus Polens darstellt, bietet das Glatzer Land eigentlich die gleichen guten Voraussetzungen hinsichtlich der landschaftlichen Schönheiten und des Vorhandenseins kulturellen Erbes. Allein, es scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben. Gleichwohl ist anzumerken, dass die wirtschaftliche Entwicklung noch nicht den Stand erreicht hat, wie es in anderen Regionen Polens oder Tschechiens der Fall ist, jedenfalls mit Blick auf die eigene Wahrnehmung. Trotzdem ist uns angenehm aufgefallen, dass es in den letzten Jahren einen deutlichen Fortschritt gegeben hat, gemessen an der Sanierung der Städte und der privaten Bautätigkeit im ländlichen Bereich.

Die Grafschaft Glatz war seit ihrer Erhebung von den Turbulenzen ihrer Zeit stark betroffen : Hussittenkriege, Rekatholisierung, Dreißigjähriger Krieg, Schlesische Kriege, in deren Ergebnis die Grafschaft von Habsburg an die Preußische Krone fiel, und nicht zuletzt der Zweite Weltkrieg, nach dem ihr Bestand erlosch. Dennoch erlangten die herrschenden Familien beachtlichen Wohlstand, wohl zu ungunsten der armen Bevölkerungsschichten. Wir erinnern uns an den Aufstand der Schlesischen Weber und die Bauernaufstände. Ausdruck des besonderen Reichtums des Adels und des damit verbundenen kulturellen Status waren die für diese relativ kleine Region zahlreichen Schlösser. In Ihrem Buch 'Schlösser und Herrenhäuser in der Grafschaft Glatz' stellen die Autoren Franke/Schulze über 50 Standorte mit Herrensitzen vor, die teils von beträchtlicher Größe und prachtvoll ausgestattet waren. Über 40 sind schon völlig oder so gut wie verschwunden. Etwa 30 seien noch zu retten.

Die verlorenen Reste dieser Bauten lösen Sprachlosigkeit aus, wenn man sie heute sieht. Nach dem Krieg wurden diese Liegenschaften häufig von Staatsgütern bewirtschaftet oder zu sozialen Zwecken genutzt, so dass wenigstens - wenn auch nicht fachgerecht im denkmalpflegerischen Sinne - noch Erhaltungsmaßnahmen vorgenommen wurden. Nach 1989 wurden diese Immobilien an eine Art Treuhandgesellschaft (Agencja Rolna) übertragen, unter deren Regie der Totalverfall eintrat. Das einst prächtige Schloß Niederrathen (Ratno Dolne) zum Beispiel wurde an einen Privatinvestor veräußert, der es abbrennen ließ. Das Konzept ist schwer nachvollziehbar. Bekannt wurde z.B., dass sich die Stiftung Save Europe’s Heritage des britischen Trohnfolgers (ist er es wirklich ?), Prinz Charles, zur Sanierung des Schlosses Scharfeneck (Dwór Sarny) in Obersteine (Ścinawka Górna) bereit erklärt hat. Die Informationen sind spärlich, aber offenbar wurde das Vorhaben abgeblasen, weil der Verkäufer einen spekulativen Kaufpreis erzielen wollte. Eigentümerin war nach Franke/Schulze die Agencja Rolna. Für die britischen Denkmalschützer hat sich das Projekt Niederschlesien damit vorerst erledigt und das bemitleidenswerte Schloss verfällt vollends.

Natürlich stellt sich die Frage, welchem Zweck die Immobilien nach einer Sanierung dienen sollen. Schwer vorstellbar, dass eine Landschaft aus Luxushotels und Begegnungszentren aus dem Boden schießt. Wer soll das bezahlen? Die Auslese ist aber bereits durch Unterlassung erfolgt und so kann man den Investoren an den verbliebenen sanierungsfähigen Standorten, z.B. in Grafenort (Gorzanów) oder Mittelwalde (Międzylesie) nur viel Glück wünschen. 

Nun zu den guten Nachrichten. Die Reise in das Glatzer Land führt – je nach Route – östlich des Hirschberger Tales durch eine zauberhafte Mittelgebirgslandschaft, entweder durch das Waldenburger Bergland oder auf der südlichen Trasse vorbei an der Adersbach-Weckelsdorfer Felsenstadt (Adršpašsko-Teplické skály) und den Braunauer Wänden (Broumovské stěny). Das Glatzer Land selbst wird wiederum umschlossen von sechs Mittelgebirgen: Eulengebirge (Góry Sowie), Heuscheuergebirge (Góry Stołowe), Habelschwerdter Gebirge (Góry Bystrzyckie), Glatzer Schneegebirge (Masyw Śnieżnika), Bielengebirge (Góry Bialskie), Reichensteiner Gebirge (Góry Złote). Man kann sich hier unendliche Betätigungsfelder für Aktivreisende aller Couleur vorstellen und es ist unmöglich, an dieser Stelle eine umfassende Darstellung abzugeben, auch mangels ausreichender eigener Erfahrungen. Es ist eine liebenswürdige Landschaft, die es wert ist, erkundet zu werden. Nicht nur die ehrgeizige Erwanderung des Schneebergs (Śnieżnik Kłodzki), der Hohen Eule (Wielka Sowa) oder der Heidelkoppe (Borowkowa) mit herrlichem Rundblick befriedigen die Erwartungen, auch Kleinode wie der Heuscheuer, das Hochtal entlang der Wilden Adler (Dzika Orlica), die kleinen, sich in den Bergen verlaufenden Täler und die Hanglagen entlang der Gebirge, von denen der weite Blick über das Glatzer Land schweift, machen den Aufenthalt zu einem schönen Erlebnis. Auch die alten Kurbäder Landeck (Lądek-Zdrój), Kudowa (Kudowa-Zdrój), Reinerz (Duszniki-Zdrój), Altheide (Polanica-Zdrój) oder Langenau (Długopole-Zdrój) putzen sich wieder heraus. 

Zunehmend etabliert sich auch das Übernachtungsgewerbe. Vielleicht ist es im Glatzer Land die richtige Wahl, in einer Agrotourismus - Herberge unterzukommen. Auf dem Land sind hier die alten dörflichen und landwirtschaftlichen Strukturen noch zu erkennen, die hierzulande durch Großraumwirtschaft schon lange verschwunden sind. Wer das Glück hat, eine Herberge zu finden, wie Lerchenfeld, wird dermaßen gut umsorgt, dass man auch gerne ein paar Schlechtwetter-Tage in Kauf nimmt.

Wanderungen auf dem Landshuter Kamm (Rudawy Janowickie)


Der Landeshuter Kamm (Rudawy Janowickie) ist ein Seitenkamm des Riesengebirges, der nordöstlich am Pass von Aupa abzweigt und etwa bei Kupferberg (Miedzianka) ausläuft. Er scheidet das Hirschberger Tal (Kotlina Jeleniogórska) und das Landeshuter (Kamienna Góra) Tal. Von den Höhen des Riesengebirges und aus der Ebene des Hirschberger Tales erkennt man von weitem bereits die markanten Ausformungen der Falkenberge (Sokole Góry) bei Fischbach (Karpniki), die trotz ihrer bescheidenen Höhe von etwa nur 650 Metern das Wahrzeichen dieser Gegend bilden. Von deren Aussichtsfelsen zeichnet sich ein herrliches Landschaftsgemälde.

Ein Pass bei Fischbach trennt noch einmal die Falkenberge vom Hauptstrang des Kammes, der am Ende in das Tal zum Bober (Bóbr) hin abfällt. In diesem Teil des Gebirges herrscht der Granit mit beeindruckenden Felspartien. Wir nehmen uns einen Rundweg zum Marianenfels (Starościńskie Skały) und dem Bolzenschloss vor, um zum guten Ende die Falkenberge zu ersteigen. Marianenfels und Bolzenschloss sind nicht die einzigen beeindruckenden Formationen am Wege, die Felsgruppe Fajka zum Beispiel oder die Steinerne Brücke (Skalny most) sind beeindruckende Naturelemente. 

Bereits im 19.Jahrhunderts widmete sich die Literatur dieser Landschaft. Im folgenden einige Passagen aus Meyer's Reiseführer (Riesengebirge und die Grafschaft Glatz, D. Letzner, 1869).

Zum Marianenfels: 'Es ist eine Felsgruppe, die früher der Backofenstein hieß, seit 1824 von Fischbach aus (zu dem er gehört) durch einen Fahrweg zugänglich gemacht, trägt oben an der platten Wand in grossen, kupfernen Buchstaben den Namen Marianenfels (nach der Prinzessin Mariane, Gattin des Besitzers, des Prinzen Wilhelm von Preussen), und auf einem Vorsprunge des Felsens, etwa 8 F. tiefer als die Inschrift, liegt ein aus Eisen gegossener, von Rauch in Berlin modellierter Löwe. Die zur Umsicht geeigneten Stellen sind durch Stufen zugänglich gemacht, und haben diese Einrichtung wohl verdient.' 

Hier das alte Bild vom Marianenfels (Bild 24): Quelle


Die Aussicht von diesem Felsen auf das Riesengebirge ist prächtig, aber der von Rauch in Eisen gegossene Löwe muss wohl nach 1945 ausgerissen sein. Von ihm war weder etwas zu sehen noch war etwas von seinem sein Gebrüll zu hören.

Zum Bolzenschloss (Zamek Bolczów): 'Am Wege treten schon gewaltige Granitmassen heraus, bis man an den Ruinen des Bolzenschlosses steht, die ein seltsames Gemisch von Granitfelsen und Mauern zwischen und auf denselben sind, so innig miteinander verbunden, dass man offenbar durch die Bezeichnung „mit einander verwachsen“ ihre Erscheinung am deutlichsten charakterisiert. Man tritt von Süden her in den Hof, in dessen wesentlichem Theile ein umfangreiches Haus, die Wohnung des Försters, zugleich Restauration, enthält.... Man erhält Kaffee, Milch, Wein, Meth, dagegen fragt man nach gebrannten Wassern vergeblich. Aus den Fenstern des Saales, eine Treppe hoch, hat man einen schönen Blick auf den Bahnhof, auch aus einzelnen Fenstern der Ruine Aussicht in das ernste Waldthal. Auf Mauern und Felsen haben sich ringsum Bäume angesiedelt, welche mit ihrem Grün die Trümmer malerisch umkleiden. - Im 30jährigen Kriege galt das Bolzenschloss noch als befestigter Punkt, wurde vertheidigt und belagert, 1643 aber von den Schweden verbrannt.' 

Dankend haben wir den Hinweis zur Kenntnis genommen, dass es kein gebranntes Wasser gibt, so dass man einen kleinen Handvorrat am Manne trägt. Allerdings müssen wir vermerken, dass es auch mit Kaffee, Milch, Wein und Meth schlecht aussieht, geschweige noch ein bewohnbares Haus zu finden ist. Das alles lohnt sich wohl im 21. Jahrhundert nicht mehr.

Zu den Falkenbergen: 'Wie ein Zwillingspaar, das man von allen höheren Punkten des Riesengebirges, wie auch des Katzbachgebirges als eine Zierde des Thales erblickt, liegen diese beiden Berge mit den Spitzen nur 2400 F. von einander entfernt., der nördliche nur 4 F. höher als der 2064 F. hohe südliche, und werden sehr oft die beiden Fischbacher Berge genannt, obgleich der nördliche schon zum Territorium von Boberstein gehört, eigentlich den Namen Forstberg führt, und nicht besucht wird, da sein höchster Punkt nicht ersteigbar ist. Der südliche dagegen trug einst die Burg Falkenstein (zerstört schon 1458), nach der er noch jetzt der Falkenberg genannt wird. … Man trifft beim Hinaufsteigen einen in Fels gehauenen Sitz, den Prinzessinnenstuhl genannt, mit unbedeutender Aussicht nach dem Bober; weiter oben noch ein Stück Mauer, einziger Rest der Burg, und zuletzt die nur wenige Quadratfuss große Oberfläche des höchsten Felsens, der überall senkrecht abfällt, und darum mit einem schützenden Holzgeländer umgeben ist. In seiner Mitte, tief in den Felsen eingelassen, ein kolossales gusseisernes Kreuz, 1832 errichtet, mit der Inschrift: „Des Kreuzes Segen über Wilhelm, den Seinen und das ganze Thal“. Schöne Aussicht nach dem Gebirge und der Umgegend.'

Da den Wilhelm eh' keiner mehr kennt, ist auch die Inschrift verblasst. Obwohl – und das konnte Letzner noch nicht wissen – zu Kaisers Zeiten 1885 der Forstberg mit einer Leiter und einer kühnen Stahlaussichtsplattform versehen wurde, von der sich ein phänomenaler 360° - Blick bietet. Schön, dass man noch die Originalschmiedekunst von 1885 studieren kann – bloß, wie lange noch?

Die GPS-Daten zur Tour findet man hier.


1. Etappe Rautenweg: Von Liboch nach Nedam (Nedamov)



Prolog:

Mit dem Kegelweg und einer eigenen Version des Kammweges haben wir in den Vorjahren bereits versucht, historische Wanderwege wieder aufleben zu lassen, jedenfalls für uns. Der Rautenweg ist ein weiterer Weg dieser Art, der zudem durch schöne Gefilde führt. Mit dem Rautenweg wurde das Ziel verfolgt, das östliche Sachsen mit den deutschsprachigen Gebieten in Nordböhmen zu verbinden. Im Laufe der Zeit etablierten sich drei Varianten des Rautenweges (hier zum Nachlesen). Wenn sich andere ständig etwas Neues ausdenken dürfen, dann dürfen wir das auch. So haben wir uns für eine vierte Variante entschieden, die sich zwischen den Originaltrassen hindurchschlängelt, und zwar von Liboch (Liběchov) nach Taubenheim. Dafür benötigten wir 5 Etappen, die uns durch die Daubaer Schweiz, das Böhmische Mittelgebirge, das Lausitzer Gebirge, die Böhmische Schweiz und den Schluckenauer Zipfel führten. Zufrieden mit dem Ergebnis beendeten wir die Tour in Schluckenau (Šluknov). Man wird sehen, dass wir uns das verdient haben. Völlig überrascht waren wir bei der Planung der Tour, dass es mit Quartieren dünn aussehen würde, was ebenso Einfluss auf die Wegführung hatte.


Ob wir wohl verrückt seien, war die dominierende Meinung des Publikums beim Start in Erwartung der bisher heißesten Tage des Jahres. Temperaturen weit jenseits der 30 Grad Marke waren angesagt. Die kamen dann auch und setzten uns entsprechend zu. Die wie immer zu schwer gepackten Rucksäcke wurden durch die nötige Zusatzration Wasser weiter aufgerüstet – ein Ringelspiel. 

Im Tal zwischen Liboch und Tupadl (Tupadly) hämmerte 1841 – 1846 Vaclav Levy, ein junger böhmischer Koch, bemerkenswerte Plastiken in den Sandstein, die Heldengestalten der tschechischen Geschichte und Naturszenen verkörpern. Ein Gönner ermöglichte Levy ein Kunststudium in München, wodurch seine künstlerischen Ansätze später versaut wurden. Levy fand nie wieder zu der Schöpferkraft der Jugendjahre. Die Reliefs wollten wir natürlich sehen und hielten danach Ausschau, als jenseits des Tales in gediegener Entfernung zwei überdimensionale Teufelsköpfe aus den Felsen herüber grüßten. Wir waren auf der falschen Talseite. Der Wanderführer ist in diesem Falle natürlich die Pfeife, aber die drückende Hitze ließ die Häme erst gar nicht aufkeimen. Die Luft stand förmlich in den nach Widim (Vidim) führenden Wiesentälern.

Natürlich spekuliert man auf ein Kaltgetränk, wenn man durch so einen herrlichen Ort wie Widim kommt. Fehlanzeige – der Tante-Emma-Laden öffnet 17 Uhr. Dafür wird das Wasser bedenklich knapp, immerhin liegen noch zwei Anstiege vor uns und dann die Nedoweska (Nedvězí), der herrliche Aussichtsberg in der Daubaer Schweiz, der heutige Höhepunkt auf unserem Weg. Der Retter erscheint in Wosnalitz (Osinalice) in Form eines schon in den Schatten geflüchteten schwejkartigen Bauern in Arbeitskluft, der uns mit Getränken aushilft. Er kann die Gier nicht verstehen, mit der wir uns auf eine süße – aber kalte - Orangenlimonade stürzen. Er bleibt lieber beim Bier. 

Für die Mühen des folgenden Aufstiegs auf die Nedoweska werden wir glücklich belohnt. Trotz der Hitze herrscht erfreuliche Fernsicht in alle Richtungen und wir haben die Gewissheit, dass der restliche Weg bis zum Campingplatz Nedam nur noch abwärts führt. Das Autocamping hinterlässt einen sehr ordentlichen Eindruck, auch ein Badeteich ist am Gelände gelegen.

Geplant war ursprünglich die Übernachtung im Schlosshotel Neuperstein (Nový Berštejn) in Dauba (Duba), aber bei einem Besuch im Frühjahr fanden wir das Anwesen verschlossen. Über die derzeitige Situation ist nichts bekannt.


5. Etappe: Von Kutteslawitz nach Groß Tschernosek (Velké Žernoseky)


Die beiden letzten Etappen auf unserem Weg versprechen, kürzer zu werden. So starten wir entspannt in Kutteslawitz in Richtung Michzen (Myštice). Obstplantagen künden von der Tradition des Leitmeritzer Anbaugebietes. Wie immer, wenn der Weg ansteigt, lohnt sich ein Blick auf die Landschaft hinter uns, aber auch nach vorn, denn als wir den Sattel zwischen Goldberg (Liščín) und Kreuzberg (Křížová hora) erreichen, kommen langsam die Kegel jenseits der Elbe zum Vorschein, vor allem der südlicher gelegene Doppelgipfel der Hasenburg (Hazmburk) mit seinen markanten Türmen.

Gemütlich gedenken wir den Kreuzberg anzugehen, aber es ist ein ähnlicher Schinder wie tags zuvor der Geltsch. Glücklicherweise ist der Anstieg nicht so lang und eine kleine Pause nutzend gehen wir hinunter zur Aussicht am Rabenstein (Kavčí vrch), wo sich das Blickfeld langsam erweitert. Als wir den Gipfel des Kreuzberges erreicht haben, ist guter Rat teuer, denn wir möchten nicht den gleichen Fehler wie am Vortag begehen, sondern die Richtung wahren. Leider finden wir den Weg nicht, der direkt nach Skalitz (Skalice) hinunter führen müsste. So gehen wir entlang des Langen Berges (Dlouhý vrch), bis wir einen geeigneten Abgang finden.

Es ist inzwischen heiß geworden und so sind wir froh, daß der Weg nach Leitmeritz (Litomerice) durch den Leschkengrund ein wenig Schatten spendet. Der Weg ins Zentrum der alten Bischofsstadt Leitmeritz ist bei der Hitze unbequem. Als wir den Markt erreicht haben, tun wir ein bisschen städtisch, lassen uns schattig in einem Straßenrestaurant nieder, erfrischen uns für den weiteren Weg und beobachten ein wenig das luftige Treiben. Die restliche Strecke bis Groß Tschernosek (Velké Žernoseky) ist überschaubar, trotzdem ist der Weg auf der Straße hoch zur Radebeule (Radobýl) bei der inzwischen herrschenden Hitze sehr anstrengend. Natürlich gehen wir den Stich zum Gipfel, aber die Sicht trübt sich bei den hohen Temperaturen immer mehr ein, mit der Fernsicht geht es zu Ende.

Der alte Weg würde jetzt hinunter nach Pistian (Piešťany) führen, von wo eine Fähre den Wanderer über die Elbe trägt. Optisch können wir jedoch keinen Fährbetrieb wahrnehmen, außerdem breitet sich heute unterhalb der Radebeule ein See aus (Piešťanske jezero), so daß wir auf den bereits vorher gefaßten Entschluss zurückkommen und weiter nach Groß Tschernosek laufen. Man vermutet es schon, dort wächst der Wein (siehe Etappen 3 und 4). Während des Abstiegs beginnen ab Michelsberg (Michalovice) die Weinberge, man ahnt den Verlauf der Elbe, die sich hinter Groß Tschernosek durch die Porta Bohemica zwängt und nördlich zeigt sich am Hang der Ort Kamaik (Kamýk) mit seinem Wahrzeichen, einer Burgruine, die auf einem Basaltfelsen ruht, dahinter der Eisberg (Plešivec). Die Lokalität wird sofort für künftige Planungen vorgemerkt. Von Groß Tschernosek setzt eine Fähre hinüber nach Klein Tschernosek, von da läßt sich die letzte Etappe zum Milleschauer gut starten.

Zurück zum Wein. Schon im 13. Jahrhundert wurden in dieser klimatisch begünstigten Region von Mönchen Rebstöcke angepflanzt und sie brachten den Weinbau hier zur Blüte. Paudler (den ich gern zitiere) weiß darüber folgendes zu berichten:

'In Groß Tschernosek besaßen diese Mönche an Stelle des heutigen Schlosses ein Vorwerk, und sie sind auch die Urheber jener abenteuerlich gewundenen und verschlungenen Kellerräume, welche sich vom Vorwerke gegen den angelehnten Felsenhügel ziehen und von den Chronisten vielfach gerühmt und gepriesen werden'.

In diesem erwähnten Schloß befindet sich heute ein Weingut mit angeschlossener Pension. Hier haben wir uns einquartiert. Obwohl wir an diesem Abend die einzigen Gäste waren, wurde uns ein opulentes Abendbrot serviert und wir konnten dazu nach freier Wahl diverse Weine probieren (Grauer Burgunder, Zweigelt rose, Traminer). Wir hatten aber diesbezüglich vorher vorsichtig angefragt. Die Weine, die wir hier serviert bekamen, waren von aller erster Güte. Sie müssen nicht den Vergleich mit Qualitätsweinen aus anderen Regionen scheuen und ein Vergleich mit üblicher Handelsware verbietet sich gänzlich. Am Folgetag konnten wir auch noch die oben erwähnten Weinkeller besichtigen. Erfreulich auch, daß nach Angaben des Weingutes ca. 60 % der Produktion in der Region verkauft wird und in vier Pensionen konnten wir dies auch erleben. Daneben kann man im Hausverkauf Wein privat erwerben. Nicht vergessen wollen wir natürlich die Kontaktdaten zu diesem bacchantischen Quartier : http://www.zernosecke-vinarstvi.cz/de/ .