Posts mit dem Label Kegelweg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kegelweg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Epilog: Kegelweg zwischen Jeschken und Milleschauer


Der Kegelweg ist geschafft, bleibt nur noch der Heimweg. Der heimliche Wunsch, die Mannschaft noch einmal auf den Wostrey zu locken, von wo es eine herrliche Aussicht über Milleschau zum Donnersberg und Kletschen gibt, bleibt ungehört. Jeder will heim. Also gehen wir vorbei am Wostrey (Ostry) immer abwärts bis Lobositz (Lovosice). Die Wegstrecke bis Bilinka vorbei am Suttomer Berg und Lobosch ist landschaftlich sehr schön, Holunder, Heckenrosen und Mohnblumen blühen. Hinter Bilinka ist alles vorbei, hier läuft die Autobahn und Lobositz ist in Sicht, ein Industriestandort. Aber unsere Bahn fährt von hier.

Ein Fazit:

Die Wanderung hat gehalten, was wir uns von ihr versprochen haben. Wir waren neugierig und das ist immer ein gutes Motiv für eine solche Unternehmung. Es war ein tolles Erlebnis in einer herrlichen Landschaft. Gewiss ist der Kegelweg keine Route für den Massentourismus und das sollte bitteschön auch so bleiben. Aber jedem Naturfreund und jedem Liebhaber schöner Landschaften kann man diesen Weg gerne weiterempfehlen. Das zu vermitteln ist auch unser Anliegen. Gerne empfehlen wir die bei jeder Etappe genannten Unterkünfte. Sie passen gut in die Planung und wir waren in jeder Hinsicht zufrieden. Dafür auch ein Dankeschön.

Gelernt habe ich auch, dass neben Handy, GPS und Digitalkamera noch andere Kommunikationsformen überliefert sind. Zückt doch ein Wanderfreund da, wo üblicherweise aus allen Lagen geknipst wird, Papier und Bleistift aus der Tasche und skizziert die typischen Landschaftsformen. Unglaublich aber stilvoll !

Tschechien an sich ist ein wunderbares Reiseland, nicht nur wegen der Landschaft. Es geht hier noch normal zu, keine Hektik, keine Hysterie, Freundlichkeit (Kinder grüßen in der Regel, wenn man ihnen begegnet - und Erwachsene auch - !), Hilfsbereitschaft, Gelassenheit. Vielleicht hören es die tschechischen Nachbarn nicht gern, aber ein bisschen K. u. K. - Mentalität scheint noch verwurzelt zu sein. Ich finde das charmant.

In den meisten europäischen Ländern sind wir es gewohnt, in Euro zu bezahlen. Das lästige Umrechnen entfällt. In Tschechien zahlt man noch mit Kronen. Sind sie noch nicht so weit ? Die Wirtschaft scheint zu florieren, davon sprechen immer neue Industrieansiedlungen, die nach wie vor aus dem Boden schießen. Es scheint Geld im Umlauf zu sein, denn viele Tschechen kommen nach Deutschland einkaufen. Die oft als Übel gebrandmarkte Verschuldung hält sich in Grenzen, wie man hört. Kulturgüter werden saniert, wie man sieht. Dazu gehören Wegkreuze, Kapellen, Burgen, Schlösser, aber auch die alten Bergbauden, z. B. auf Lobosch und Milleschauer und vor allem, sie werden bewirtschaftet. Wie sieht es da eigentlich mit dem Cash Flow aus? Egal, jedenfalls kann kein Sparkommissar aus Bonn oder Brüssel hineinreden.

Warum hat Tschechien also noch keinen Euro ? Vielleicht erklärt es folgender alter Witz :

Was ist der Unterschied zwischen dem Braven Soldat Schwejk und Egon Krenz?

Auflösung :

Der Brave Soldat Schwejk ist hoch intelligent und stellt sich dumm und Egon Krenz war Mitglied des ZK der SED, Mitglied des Staatsrates der DDR und erster Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend.

Der Leser wird selbst wissen, wie er diese Personalien auf den neuesten Stand bringt.



Letzte Eindrücke


Blühende Landschafren




Lippenberg und Milleschauer




Blick zum Lobosch


Das gibt es noch : Die Landschaft wird gemalt


Klick aufs Bild: 

"Der neue Kegelweg vom Jeschken bis zum Milleschauer" von J. Tille (Teil 1) 
Aus Deutschen Bergen, Jg. 21 Heft 9 (Außig, 1. Sept. 1906) 


Prolog
Etappe 1: Vom Jeschken nach Neuland
Etappe 2: Von Neuland über Reichstadt nach Böhmisch Leipa
Etappe 3: Von Böhmisch Leipa nach Neuland bei Auscha
Etappe 4: Von Neuland bei Auscha nach Kutteslawitz
Etappe 5: Von Kutteslawitz nach Groß Tschernosek an der Elbe
Etappe 6: Von Groß Tschernosek an der Elbe nach Kotzauer
Epilog

6. Etappe: Von Groß-Tschernossek nach Kotzauer (Kocourov)


Die letzte Etappe unserer Tour steht an. Es könnte so schön sein : Eine Personenfähre bringt uns über die Elbe von Groß nach Klein Tschernosek. Leider müssen wir feststellen, daß der Fährbetrieb aufgrund des Hochwassers in der Vorwoche eingestellt ist, es ist keine Fähre zu sehen. Mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln das andere Ufer zu erreichen, erfordert einen ziemlichen Zeitaufwand. Freundlicherweise bietet man im Weingut an, uns per PKW bis Lobositz (Lovosice) mitzunehmen, von hier sind es nur 2 Stationen mit der Bahn bis Klein Tschernosek. So ist dieses Problem gelöst.

Von hier geht es durch das Wopparner Tal (Oparenské údolí, hier gibt es noch den seltenen Pflaumen-Zipfelfalter). Es ist schattig und das macht die Hitze noch einigermaßen erträglich. Wir lassen uns aber nicht davon abbringen, trotzdem auf den Lobosch (Lovos) aufzusteigen. Hier, jenseits der Elbe sind wir eigentlich erst so richtig inmitten der Kegellandschaft. Der Lobosch wird durch die Kette der Kegelberge umspannt wie die Bühne durch die Ränge eines Amphitheaters. So richtig zur Geltung kommt dies bei dem Dunst nicht, der sich über die Landschaft gelegt hat, aber immerhin, wir waren oben. Das Gesamtbild wird getrübt, wenn man des Monstrums von Autobahn ansichtig wird, welches die schöne Landschaft schnöde zerschneidet und wegen welchem es in der Vergangenheit heftigen Wirbel gegeben hat. Aber, es führt kein Weg daran vorbei, denn aufgemerkt Freunde: 'Von Dresden zum Frühstück nach Prag !' Das ist die Devise.

Sehr angenehm überrascht waren wir, dass die auf dem Gipfel befindliche Touristenbaude bewirtschaftet war, obwohl an einem Wochentag und bei diesen Temperaturen kaum Besucher zu erwarten waren. Eine Gedenktafel verrät, dass die Schwarzenberghütte zwischen 1924 und 1930 durch den Lobositzer Mittelgebirgsverein erbaut wurde. Sie befindet sich in einem guten Zustand.

Über Wopparn (Oparno) geht es wieder hinunter in das Wopparner Tal und von da hinauf nach Wellemin (Velemin). Kurz vor Wellemin überspannt eine Autobahnbrücke das stille Tal. Ein letztes Mal wollen wir A. Paudler bemühen, welcher notierte : 'Zu den schönsten Ausflügen, welche aus Lobositz gemacht werden, gehört die Partie durch das Wopparner Thal auf den Milleschauer, den König des Mittelgebirges, welcher eine der schönsten Aussichten bietet, die man im Böhmerlande zu finden vermag'. Man möge sich daran erinnern, wenn der Straßenabschnitt der Autobahn freigegeben ist.

Wellemin selbst ist ein grauslicher Ort, durch den sich eine endlose Schlange von Blech und Stahl wälzt und der ersten offenen Autobahnanbindung hinter dem Gebirge zuströmt. Kann man hier überhaupt wohnen? Wenn ich so etwas erlebe, frage ich mich immer, wie viele dafür erforderliche Ressourcen der Planet noch hergeben kann und wie viel er noch bereit ist, einzustecken, von dem, was an Gift dabei herauskommt. Die gedankliche Beschäftigung mit den Übeln dieser Welt hilft mir über die nächsten 2,5 ansteigenden Kilometer über schattenloses Gelände bis zum Waldrand des Milleschauer. Die Temperaturen dürften jetzt weit jenseits der 30 Grad gelegen haben. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Hinter dem Berg bauen sich auf einmal drohend Gewitterwolken auf. Wir eilen hinauf (soweit das noch möglich ist). Sollte es ein trauriges Finale geben? Es bleibt uns erspart, aber die Sicht von dem 836 m hohen Berg ist bescheiden. Immerhin soll Alexander von Humboldt den Milleschauer als einen der drei schönsten Aussichtsberge der Erde bezeichnet haben. Von einer früheren Begehung weiß ich, dass Humboldt dies nach einem Blick in die Kohlengruben von Brüx heute wohl anders beurteilen würde.

Das Ziel ist erreicht, der Weg vom Jeschken zum Milleschauer liegt hinter uns. Die Baude auf dem Milleschauer ist neu vorgerichtet und obwohl wir die einzigen Gäste auf dem Berg sind, erwartet uns der Hüttenwart und läßt uns ein frisches Bier ein. Wir stoßen kurz an und sind auch schon wieder weg. Die Rückbesinnung auf die Tour verschieben wir auf den Abend. Noch 6 km sind es zu unserem Quartier in Kotzauer (Kocourov).

Die Pension befindet sich in einer genialen Lage an der Südlehne des Lhotta Berges (Lhota). Wir hatten schon gehört, dass das Restaurant für seine vorzügliche Küche bekannt ist. Wir können das nur bestätigen. Außerdem gibt es hier das in Varnsdorf hergestellte und nur dort lokal vertriebene Bier Kocour (Kater), welches bei Bierkennern beliebt ist. Zum Essen trinkt man natürlich Wein. Woher? Natürlich aus Groß Tschernosek. Wir setzen uns auf die Terrasse und lassen die letzten Tage noch einmal Revue passieren. Dabei ruht der Blick auf der sich vor uns ausbreitenden Landschaft: vom Suttomer Berg reiht sich Kegel an Kegel bis hin zum Lippenberg, mitten drin im Hintergrund die Hasenburg. Ein schönes, dem Thema der Tour angemessenes Finale. Das war der Kegelweg.



Milleschauer Bach am Eingang des Wopparner Tales


Blick vom Lobosch auf Lobositz und Radebeule


Blick vom Lobosch auf den Milleschauer


Blick von Wopparn auf den Milleschauer


Eine Autobahnbrücke überspannt das Wopparner Tal bei Wellemin


Blechlawinen wälzen sich durch Wellemin


Bei Gluthitze unterwegs zum Milleschauer, im Hintergrund der Lobosch


Der Milleschauer vor uns


Der Milleschauer im Abendlicht



Blick vom Milleschauer in östliche Richtung


Blick vom Milleschauer nach Süden


Sendeanlagen auf dem Milleschauer, unten der Ort Milleschau und der Lhottaberg (Lhota)


Das Milleschauer Schloss


Der Kletschen (Kletečná)


Der Wostrey (Ostry)


Der Lippenberg (Lipská hora)


Kotzauer mit Lippenberg


Panorama von der Pensionsterasse gesehen. Unten: Penzion a Restaurace Kocourov, dahinter der Lhotta Berg


Prolog
Etappe 1: Vom Jeschken nach Neuland
Etappe 2: Von Neuland über Reichstadt nach Böhmisch Leipa
Etappe 3: Von Böhmisch Leipa nach Neuland bei Auscha
Etappe 4: Von Neuland bei Auscha nach Kutteslawitz
Etappe 5: Von Kutteslawitz nach Groß Tschernosek an der Elbe
Etappe 6: Von Groß Tschernosek an der Elbe nach Kotzauer
Epilog

5. Etappe: Von Kutteslawitz nach Groß Tschernosek (Velké Žernoseky)


Die beiden letzten Etappen auf unserem Weg versprechen, kürzer zu werden. So starten wir entspannt in Kutteslawitz in Richtung Michzen (Myštice). Obstplantagen künden von der Tradition des Leitmeritzer Anbaugebietes. Wie immer, wenn der Weg ansteigt, lohnt sich ein Blick auf die Landschaft hinter uns, aber auch nach vorn, denn als wir den Sattel zwischen Goldberg (Liščín) und Kreuzberg (Křížová hora) erreichen, kommen langsam die Kegel jenseits der Elbe zum Vorschein, vor allem der südlicher gelegene Doppelgipfel der Hasenburg (Hazmburk) mit seinen markanten Türmen.

Gemütlich gedenken wir den Kreuzberg anzugehen, aber es ist ein ähnlicher Schinder wie tags zuvor der Geltsch. Glücklicherweise ist der Anstieg nicht so lang und eine kleine Pause nutzend gehen wir hinunter zur Aussicht am Rabenstein (Kavčí vrch), wo sich das Blickfeld langsam erweitert. Als wir den Gipfel des Kreuzberges erreicht haben, ist guter Rat teuer, denn wir möchten nicht den gleichen Fehler wie am Vortag begehen, sondern die Richtung wahren. Leider finden wir den Weg nicht, der direkt nach Skalitz (Skalice) hinunter führen müsste. So gehen wir entlang des Langen Berges (Dlouhý vrch), bis wir einen geeigneten Abgang finden.

Es ist inzwischen heiß geworden und so sind wir froh, daß der Weg nach Leitmeritz (Litomerice) durch den Leschkengrund ein wenig Schatten spendet. Der Weg ins Zentrum der alten Bischofsstadt Leitmeritz ist bei der Hitze unbequem. Als wir den Markt erreicht haben, tun wir ein bisschen städtisch, lassen uns schattig in einem Straßenrestaurant nieder, erfrischen uns für den weiteren Weg und beobachten ein wenig das luftige Treiben. Die restliche Strecke bis Groß Tschernosek (Velké Žernoseky) ist überschaubar, trotzdem ist der Weg auf der Straße hoch zur Radebeule (Radobýl) bei der inzwischen herrschenden Hitze sehr anstrengend. Natürlich gehen wir den Stich zum Gipfel, aber die Sicht trübt sich bei den hohen Temperaturen immer mehr ein, mit der Fernsicht geht es zu Ende.

Der alte Weg würde jetzt hinunter nach Pistian (Piešťany) führen, von wo eine Fähre den Wanderer über die Elbe trägt. Optisch können wir jedoch keinen Fährbetrieb wahrnehmen, außerdem breitet sich heute unterhalb der Radebeule ein See aus (Piešťanske jezero), so daß wir auf den bereits vorher gefaßten Entschluss zurückkommen und weiter nach Groß Tschernosek laufen. Man vermutet es schon, dort wächst der Wein (siehe Etappen 3 und 4). Während des Abstiegs beginnen ab Michelsberg (Michalovice) die Weinberge, man ahnt den Verlauf der Elbe, die sich hinter Groß Tschernosek durch die Porta Bohemica zwängt und nördlich zeigt sich am Hang der Ort Kamaik (Kamýk) mit seinem Wahrzeichen, einer Burgruine, die auf einem Basaltfelsen ruht, dahinter der Eisberg (Plešivec). Die Lokalität wird sofort für künftige Planungen vorgemerkt. Von Groß Tschernosek setzt eine Fähre hinüber nach Klein Tschernosek, von da läßt sich die letzte Etappe zum Milleschauer gut starten.

Zurück zum Wein. Schon im 13. Jahrhundert wurden in dieser klimatisch begünstigten Region von Mönchen Rebstöcke angepflanzt und sie brachten den Weinbau hier zur Blüte. Paudler (den ich gern zitiere) weiß darüber folgendes zu berichten:

'In Groß Tschernosek besaßen diese Mönche an Stelle des heutigen Schlosses ein Vorwerk, und sie sind auch die Urheber jener abenteuerlich gewundenen und verschlungenen Kellerräume, welche sich vom Vorwerke gegen den angelehnten Felsenhügel ziehen und von den Chronisten vielfach gerühmt und gepriesen werden'.

In diesem erwähnten Schloß befindet sich heute ein Weingut mit angeschlossener Pension. Hier haben wir uns einquartiert. Obwohl wir an diesem Abend die einzigen Gäste waren, wurde uns ein opulentes Abendbrot serviert und wir konnten dazu nach freier Wahl diverse Weine probieren (Grauer Burgunder, Zweigelt rose, Traminer). Wir hatten aber diesbezüglich vorher vorsichtig angefragt. Die Weine, die wir hier serviert bekamen, waren von aller erster Güte. Sie müssen nicht den Vergleich mit Qualitätsweinen aus anderen Regionen scheuen und ein Vergleich mit üblicher Handelsware verbietet sich gänzlich. Am Folgetag konnten wir auch noch die oben erwähnten Weinkeller besichtigen. Erfreulich auch, daß nach Angaben des Weingutes ca. 60 % der Produktion in der Region verkauft wird und in vier Pensionen konnten wir dies auch erleben. Daneben kann man im Hausverkauf Wein privat erwerben. Nicht vergessen wollen wir natürlich die Kontaktdaten zu diesem bacchantischen Quartier : http://www.zernosecke-vinarstvi.cz/de/ .


4. Etappe: Von Neuland bei Auscha nach Kutteslawitz (Chudoslavice)


Die vierte Etappe auf dem Kegelweg könnte man auch betiteln mit 'Begegnung mit einem Scharfrichter oder die Folgen eines kleinen Irrtums'. Wir verlassen Neuland, nicht ohne noch einmal vom Kapellenberg einen Blick hinüber in das Mittelgebirge und nach Auscha (Ustek) geworfen zu haben. Wir steigen wieder ab durch das Auschaer Sandsteingebirge und bekommen hier auch tatsächlich die Sandsteinfelsen zu Gesicht. Wie meist bei diesen Gebilden, hat man den Felsen auch hier Namen verpaßt, um auf Ähnlichkeiten hinzuweisen, z. B. beim Affenkopf.

Bald ist Auscha erreicht und es lohnt sich, sich ein wenig Zeit zu nehmen und das Ambiente des alten Ortes auf sich wirken zu lassen. 'Die Stadt Auscha liegt auf einem schmalen und felsigen Höhenrücken, dessen Längsseiten steil abfallen und daher gegen feindliche Angriffe leicht zu schützen waren... Von der deutschen Vorstadt zieht sich zur böhmischen den Haberbach entlang Häusergruppe auf Häusergruppe, und es ist wunderlich, wie man hier dem steilen Abhange des Bergrückens, der die Oberstadt trägt, den Grund zu Gebäuden und beschränkten Gartenanlagen mühsam abgerungen hat'. (Paudler). Der historische Ort ist ziemlich gut erhalten.

Der nächste Streckenabschnitt geht entlang der Straße nach Haber (Habřina). Besser wäre derzeit, direkt die Straße zu benutzen, weil der markierte Weg total zugewachsen und nur schwer zu finden ist. Der Weg führt normalerweise über Lewin (Levin) und Geltschbad (Lázně Jeleč) an den Geltsch (Sedlo) heran. Wir wollen aber endlich weg von der Straße und wenden uns in Richtung Zierde (Srdov), keine schlechte Idee, denn schon bald zeigen sich hinter uns die kleinen Kegel und die Gegenden, die bereits hinter uns liegen. Es lohnt sich, hin und wieder mal zurückzublicken. Wir orientieren uns jetzt an den Markierungen, die zum Gipfel des Geltsch führen. Merkwürdigerweise bleiben Lewin und das alte ehrwürdige Geltschbad unauffindbar. Anstelle dessen beginnt der Anstieg zum Gipfel. Es geht krachend nach oben und zwar mit Gepäck und man sucht nach Griffen, um sich mal festzuhalten. Wer lässt sich eigentlich solche Wege einfallen? Irgendwann ist man oben, aber es hat Körner gekostet. Eigentlich ist der Gipfel bewaldet, doch dann findet sich in der Nähe der Gipfelmarkierung ein Austritt mit einem grandiosen Ausblick nach süd-südwest. Der tschechische Name für den Geltsch ist Sedlo und leitet sich von Sattel ab. Über diesen Drachenrücken führt der weitere Weg, immer umgeben von Wald und rechts- wie linksseitig von furiosen Basaltbrocken eingefasst. Irgendwann beginnt der Abstieg, genauso vehement wie der Aufstieg. Wenn man nicht achtsam ist, verpaßt man den zweiten Austritt, der einen ebenso tollen Ausblick in die Gegenrichtung ermöglicht. Der Schweiß hat sich gelohnt.

Als wir den Berg hinter uns haben, stellt sich immer noch die Frage: wo ist Geltschbad, wo ist der Litaisch (Litýš), wo sind die Geltschhäuseln (Jeleč)? Auf unserem Weg nach Ober Tenzel (Týnec) tauchen die Geltschhäuseln plötzlich linkerhand auf. Kurz um, es geht uns ein Licht auf. Der alte Kegelweg geht gar nicht über den Geltsch, sondern seitlich daran vorbei. Vielleicht war man vor 100 Jahren noch nicht so verrückt, die Bagage über den Berg zu schleppen. Trotzdem, es hat sich gelohnt.

Immerhin hätten wir gern einen Blick auf Geltschbad genommen. Es hat seine Bedeutung heute verloren, aber Ende des 19. Jahrhunderts war es ein nobles Anwesen und Paudler empfiehlt 'Wer also in die Gegend kommt, dem rathen wir, sein Mittagsbrot in Geltschbad zu essen; wenn er dort so gut aufgehoben ist, wie wir, so wird er es nicht bereuen, unserem Rathe gefolgt zu sein'.

Etwas müde laufen wir in dem verschlafenen Triebsch (Trebusin) ein und nehmen erst mal ein Bier. Den schönen Kelchberg (Kalich) ignorieren wir heute und auf den Dreiberg (Trojhora) ist auch keiner mehr hoch zu bekommen, weil nach Beschreibung der Weg auch hier nur daran vorbei führt, (wie die Mannschaft gelesen hat). Außerdem ist die Überquerung des Dreiberg 'nicht ganz ohne'. Aber man merke sich diese Erhebungen für eine separate Begehung, denn eine Tour in diesem Gelände ist eine erstklassige Empfehlung.

Kurz hinter dem Dreiberg ist Kutteslawitz (Chudoslavice) erreicht, unser heutiges Ziel. Wir haben uns in der 'Pension na Statku' (http://www.nastatek.cz/index.php) angemeldet, perfektes Ambiente in altem Gemäuer. Schade eigentlich, daß man hier nur für eine Nacht reserviert hat und das beste: es gibt wieder Tschernoseker Wein. Aber ich werde noch einmal darauf zurückkommen.


Prolog - vom Jeschken (Ještěd) zum Milleschauer (Milešovka)


Hat man einmal bei guter Sicht vom Gipfel der heimischen Berge hinüber nach Nordböhmen geblickt, so ziehen einen sogleich die tief gestaffelten Kegel und Kuppen in ihren Bann, die, wie an einer Perlenschnur aufgereiht, vom Land unter dem Jeschken (Podještědí) bis ins westliche Böhmische Mittelgebirge (České středohoří) anzutreffen sind. Ragen sie zudem aus Dunst oder Nebel, so empfindet man sogleich eine romantische Stimmung, als betrachte man ein Bild von Caspar-David-Friedrich. Welcher Wanderer und Naturfreund hätte bei diesem Anblick noch nicht den Wunsch verspürt, in diese Welt einzutauchen ? Hier hat der Vulkanismus in der erdgeschichtlichen Entwicklung deutliche Spuren hinterlassen. Landschaftlich kann es diese Gegend mit allen vergleichbaren Gefilden in Europa aufnehmen, dazu gesellen sich mannigfaltige Zeugnisse böhmischer und damit zentraler europäischer Geschichte. Der Tourismus ist noch nicht stark ausgeprägt. Sollte man sagen 'Gott sei Dank' ?

Jedenfalls hat man bereits vor mehr als hundert Jahren die Reize dieser Region erkannt und seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entsprechende Bemühungen eingeleitet. Neben Rautenweg, Schlängelweg oder Blauem Kammweg wurde 1905 auch der Kegelweg durch die in dieser Region tätigen Gebirgsvereine etabliert. Er verband den Jeschken (Ještěd) mit dem Milleschauer oder Donnersberg (Milešovka) und war gekennzeichnet durch einen Blauen Kegel auf weißem Grund. Dabei gab es streckenweise Varianten, die sich durch Spitzkegel bzw. Stumpfkegel unterschieden. Als ich davon Kenntnis erhalten hatte, war der Plan, diesen historischen Weg einmal zu laufen, schnell gefasst, eine überschaubare Zahl Mitstreiter war schnell gefunden und das Vorhaben in Angriff genommen. Die Planung erfolgte mit Hilfe historischen Kartenmaterials, auf denen der Weg verzeichnet ist. Die alte Markierung ist uns nicht mehr begegnet und streckenweise fehlen die Wege gänzlich. Es wäre wünschenswert, wenn der tschechische Fremdenverkehrsverband die Instandsetzung dieses historischen Weges auf die Agenda setzen würde, so, wie viele kleine Denkmäler bereits restauriert wurden. Es würde die Landschaft ungemein bereichern.

Logistische Gründe ließen uns vereinzelt vom Originalweg abweichen. Möglicherweise ist der Weg dadurch deutlich länger, als die alten Angaben es vorgeben. Die Übernachtungen haben wir vorab ausfindig gemacht und gebucht. Es waren ausnahmslos hervorragende Quartiere mit sehr guter gastronomischer Versorgung, die wir gerne in den folgenden Fortsetzungen erwähnen möchten. Die Wanderung verteilte sich auf 6 Etappen und einen Epilog. Allerdings ist auf dieser Tour die anspruchsvolle Entfernung von 168 km mit 6.799 Höhenmetern zurückzulegen. Entfernung und Höhenmeter wurden durch GPS-Geräte erfasst und können Ungenauigkeiten beinhalten. Trotzdem soll es ein Hinweis darauf sein, dass eine nicht unerhebliche Belastung zu erwarten ist.

Es war eine anstrengende, aber schöne und erlebnisreiche Woche, vor allem ohne Funk und Fernsehen . Auf Kommentare von Experten konnte dabei genauso gut verzichtet werden wie auf das hysterische Geschwätz der Politiker und Journalisten, die in diesen Medien ihr Podium finden und uns die Welt zu erklären versuchen. Vor herrschte die Musik des Waldes, manchmal das Gebell der Hunde, die in vielen Grundstücken ihr Revier beschützen. Außer an den exponierten Wegpunkten und in Städten / Dörfern wird man selten anderen Menschen begegnen und man kann die einzigartige Landschaft genießen. Gern hält man sich selbst an die geltenden Regeln, die für die freie Natur aufgestellt und bei Rudolf Kauschka so formuliert sind :

'Der rechte Naturfreund wird stets wissen, was sich ziemt, was er zu tun und zu unterlassen hat, wenn er in wohlbehütete Reviere eindringt. Hat er denn überhaupt Zeit, sich mit anderem als nur Natur zu beschäftigen ? Stürmen nicht tausende ihrer Stimmen und Erscheinungen auf ihn ein, ein Reichtum, kaum zu fassen ? Er muss seinen engen, oft ärmlichen Alltag hinter sich lassen können, um sich mit der Natur aufs innigste zu verbinden. Je mehr er zu schweigen versteht, wenn rings um ihn ihre wunderbaren Werke reden, desto eher wird ihm ihre tiefste Schönheit offenbar werden. Ja, es scheint fast, als ob die Natur nur den großen, lauteren und einsamkeitsstarken Herzen ihre köstlichen Genüsse schenke'. 


2. Etappe: Von Neuland über Reichstadt (Zakupy) nach Böhmisch-Leipa



Noch vor Beginn unserer Tour haben wir täglich einen Blick auf die langfristige Wetterprognose geworfen, weil Anfang Juni 2013 die Zeichen eher auf Sturm standen und die anhaltenden Regenfälle manche Wege unpassierbar gemacht hatten. Die Elbe, die noch zu überqueren ist, führte bekanntlich ein schweres Hochwasser. Heute war wieder so ein Tag mit ungünstigen Aussichten.

Der Regen verzog sich aber nach dem Frühstück, von da an herrschte Kaiserwetter und der Aufstieg auf den Rollberg konnte beginnen. Der Roll ist eines der landschaftlichen Wahrzeichen, die dominant die Szene beherrschen, ein wahrhaftiger Kegel, gekrönt von einer Burgruine. Der Schriftsteller Gottlieb Korschelt schildert in seinem Buch 'Zittau und Umgebung und das Sächsisch-Böhmische Grenzgebirge' über eine Seite lang begeistert das komplette Panorama, welches der Gipfel her gibt. Das wollen wir uns sparen und den geneigten Leser aufrufen, sich selbst ein Bild davon zu machen. Was Gottlieb Korschelt (1818-1901) jedoch noch nicht wissen konnte war, daß das Gebiet um den Roll bis Anfang der 90-er Jahre zu einem militärischen Sperrgebiet gehörte, welches von russischen Truppen besetzt und der Zugang nur eingeschränkt möglich war. Die Anwesenheit der Russen manifestiert sich noch durch diverse Schriftzeichen in kyrillischer Sprache.

Wir verlassen den Berg über die Vranover Felsen, vorbei am Molkenkrug (Džbán) und verlassen für einige Kilometer auch den Kegelweg, weil der Weg hinter Niemes (Mimon) ungeklärt ist und versuchen es daher über Barzdorf (Pertoltice pod Ralskem). Vorbei am Wachberg (Strážný) schlagen wir die Richtung zum Kamnitzberg (Kamenický kopec) ein, hinter uns immer die mächtige Silouette des Roll. Ein landwirtschaftlicher Weg zieht bald in nördliche Richtung und vorbei am Kamnitzberg, so dass wir diesen Berg auf Sicht ansteuern müssen. Im Anstieg ist es etwas unübersichtlich und daher anstrengend aber irgendwann haben wir auch wieder festen Boden unter den Füßen und erreichen bald Reichstadt (Zakupy). Schloß und eine barocke Sandsteingruppe am Markt sind hier sehenswert.

Schon der Wegabschnitt zwischen Barzdorf und Kamnitzberg, der über Felder führt, gestattet herrliche Ausblicke hinüber ins Lausitzer Gebirge. Das gleiche erleben wir auf den nächsten Kilometern über die Mariannenhöhe (Mariánská výšina). In diesem Abschnitt bauen sich nördlich der Weiherberg (Spálenisko) bei Wellnitz (Velenice), der Ortel, der Eibenberg (Tisový vrch) und der Slawitschken (Slavíček) in den Bürgsteiner Felsen (Sloupské skály) aus einer Perspektive vor uns auf, die wir so noch nicht gesehen haben. Die Felsenburg Bürgstein lassen wir aber heute einmal außen vor.

Bald erreichen wir Pießling (Písečná) und verlassen abermals den Kegelweg. Wir verzichten auf den Leipaer Spitzberg (Špičák), da es spät geworden ist und die Karte außerdem keinen Weg mehr von Pießling zum Spitzberg ausweist. Paudler (1844-1905) rühmt den Spitzberg ob seiner hervorragenden Qualität als Aussichtsberg, er hatte natürlich noch nicht gesehen, daß der Kegel heute von ziemlich gewöhnungsbedürftigen Plattenbauten umzingelt ist. Der Weg von Pießling nach Böhmisch Leipa ist asphaltiert und genial für Inlineskater, aber nicht für unsere Füße. Trotzdem genießen wir auch hier den Blick im Abendlicht in die hinter uns liegende Landschaft und die Bürgstein-Schwoikaer Schweiz (Skály u Sloupu a Svojkova), deren Felsen zu uns herüber leuchten.

In Böhmisch Leipa (Česká Lípa) erwartet uns am Markt die Pension U Hrabala, die wir ebenfalls nur weiterempfehlen können (Kontaktdaten : http://www.uhrabala.cz/0-de-homepage.html). Das Ambiente um den Marktplatz herum gefällt uns und kontrastiert angenehm zu der ansonsten durch Neubauten verstellten Stadt.

Fazit dieser Etappe :

Es wäre angenehm, wenn der Kegelweg zwischen Niemes und Reichstadt, insbesondere über den Kamnitzberg wieder ausgewiesen wäre. Der Aufwand sollte sich lohnen.


1. Etappe: Vom Jeschken nach Neuland (Noviny pod Ralskem)


Die Tour startet auf dem Jeschken. Wir erlauben uns den Luxus, mit der Seilbahn zum Gipfel zu fahren. Jedem, der es nicht für opportun hält, auf einer Wandertour derartige Hilfsmittel einzusetzen, sei der Hinweis gegeben, daß der erste Abschnitt der Tour gleich die Königsetappe mit einer Tagesstrecke von 30 km ist. Vom Plateau des Jeschken bekommt man einen guten Eindruck von der zurückzulegenden Gesamtstrecke. Vom Jeschken kann man bei gutem Wetter den Donnersberg sehen. Der Jeschken gilt überhaupt als der beste Aussichtsberg in der weiteren Umgebung und genießt diesbezüglich sogar den Vorrang vor der Schneekoppe. '… wenn vor der übermäßigen Höhe von dieser letzteren die in der Tiefe liegenden Gegenstände fast verschwinden und undeutlich werden, so genießt man selbige auf dem Jeschkenberge mit größerer Reinheit und in der herrlichsten Übersicht' wird Dr. Hofer von A. Paudler zitiert und weiter 'Überall, wohin der Blick des Bergbesuchers sich richtet, gewahrt man Berge und Hügel und Gipfel und Kuppen und allerlei Berglehnen und mancherlei Felsgestaltungen: bis auf die letzteren alles besäet mit Feld und Wald und Auen und Menschengebäu. Und zwischendurch leuchtet wohl auch ein blinkender Teich, in dem die Sonne des Tages sich spiegelt und des Nachts der Mond sich selber entgegenlacht.'

Die ersten Kilometer gehen ausschließlich abwärst bis nach Johannestal (Janův Důl) und kurz bevor Oschitz (Osečna) erreicht ist, begegnen wir das erste Mal den Polzen, (Ploučnice), deren Lauf uns nun bis hinter Böhmisch Leipa (Česká Lípa) begleiten wird. Wir wagen den lohnenden Abstecher bis zur Quelle, denn das Quellgebiet zählt zu den ergiebigsten in ganz Europa. Auch in Trockenzeiten versiegt die Quelle nicht und man kann das Wasser in dem kleinen Teich, der sich darüber ausbreitet, wallen sehen. Die Polzen mündet in Tetschen (Decin) in die Elbe.

Hinter Bad Kunnersdorf tauchen wir das erste Mal in die Welt der Kegelberge ein, im Gegensatz zu den gewaltigen Vulkanbergen des Böhmischen Mittelgebirges als kleine runde Kuppen ausgebildet, die sich inmitten einer unbesiedelten Wald-Felslandschaft ausbreiten. Wir passieren zunächst den Krassaberg und den Dewiner Teich (Devinsky rybnik) um kurz darauf den Dewin zu erreichen und der Burgruine einen Besuch abzustatten, die über dem Hammer See (Hammerské jezero) thront. Die Aussicht ist beschränkt, aber die Ansicht der Reste der mächtigen Burganlage ist beeindruckend. Korschelt nannte die Burg eine der schönsten in ganz Böhmen, seit dem 30-jährigen Krieg steht sie jedoch als Ruine. Vom südlichen Ende der Anlage drängt sich der nächste Kegel, der Spitzberg regelrecht auf und ist zum Greifen nahe. Hingewiesen werden soll noch auf das in der Nähe liegende Felstheater (Divadlo) und die schöne Felsenburg Struhanken (Stohanek).

Der Kegelweg teilt sich in Hammer (Hamr). Eine Strecke führt über Wartenberg (Stráž pod Ralskem) nach Neuland am Rollberge (Noviny pod Ralskem), die andere vorbei an den Hirschbergen (Maly und Velký Jelení vrch) direkt nach Niemes (Mimon). Wir folgen zunächst dieser Variante, lassen die Hirschberge (Kegel !) hinter uns und wenden uns dann aber der Variante nach Neuland zu. Der Weg nach Niemes ist heute versperrt, weil er durch das Uranbergbaugebiet von Wartenberg führt. Auch wir tangieren dieses Gebiet und müssen etwa auf einer Distanz von ca. 4 Kilometer den häßlichsten Teil des gesamten Kegelweges passieren (damit haben wir es aber hinter uns !). Die neu installierten Rohrleitungssysteme entlang dieser Strecke lassen die Vermutung aufkommen, daß hier nicht nur eine Sanierung des kontaminierten Gebietes stattfindet sondern der Uranbergbau weiterhin betrieben wird.

Nachdem wir aus dieser Zone heraus sind und das Tagesziel nah ist, werfen wir noch einen Blick auf den Polzendurchbruch (Průrva Ploučnice). Die Polzen verlässt hier einen künstlichen, teils unterirdischen Kanal, der bereits im 16. Jahrhundert zur Flußregulierung angelegt wurde. Bei Schneeschmelze oder Hochwasser soll es hier mächtig sprudeln.Von dieser Stelle ab kann die Polzen bepaddelt werden.

Kurz danach erreichen wir unser heutiges Etappenziel, das Hostinec u Zlaté Lípy. Die Restauration ist zu loben und ist ein ausgesprochen geeignetes Quartier auf dem Kegelweg am Fuße des Rollberges. Kontaktdaten : http://www.hostineczlatalipa.cz/indexde.html


3. Etappe: Von Böhmisch-Leipa nach Neuland bei Auscha (Ustek)


Die dritte Etappe beginnt mit einem schweren Bedienfehler. Wir verlassen die Pension mit dem Ziel, im nächsten Markt Wasser zu tanken, denn die Temperaturen versprechen stetig anzusteigen. Auch am Ortsrand von Böhmisch Leipa ist noch immer kein Laden gefunden, der heute geöffnet hat. Die Hoffnung auf die nächsten Ortschaften zerschlägt sich ebenfalls, so daß wir bis Drum (Stvolinki) mit einem Minivorrat auskommen müssen. Auf den restlichen Etappen werden wir uns immer in den Pensionen mit Flüssigkeit eindecken.

Wir verlassen heute die Polzen, die sich in Richtung Sandau – Bensen abkehrt. Hinter Böhmisch Leipa ist der Fluß zu überqueren. Gerade noch rechtzeitig haben wir festgestellt, daß die Brücke am Münzberg (Mnišská hora) nicht mehr vorhanden ist, wie es die alten Karten dokumentieren. Wir laufen also über Eicha (Dubice) und ein Stück entlang der Polzen, bevor wir über den Münzberg nach Tiefendorf (Bořetín) gelangen. Auf der Straße hinauf nach Tiefendorf lohnt sich ein Blick zurück auf die Kegel, die wir bereits hinter uns gelassen haben.

Nun geht es hinauf auf den Koselberg (Kozly). Die Markierung ist hier sehr schlecht, so daß wir uns zunächst auf unser Gefühl (und das GPS) verlassen müssen. Auf dem langgezogenen Gipfel durchläuft der Weg Wiesengelände, welches zugewachsen ist, so daß auch hier Aufmerksamkeit gefordert ist. Beim Abstieg in die Ortschaft Kosel erscheint das nächste Ziel im Blickfeld, der Ronberg (Ronov), der sich ebenfalls auf seinem Gipfel mit einer Burgruine schmückt. In der Nachbarschaft zeigt sich der Buckel des Wilscht (Vlhošť), ein unübersehbarer Repräsentant der Daubaer Schweiz. Mit dem Anspruch auf Originaltreue nehmen wir es auch hier nicht so genau. Der Kegelweg führt nach Kolben (Kolné) und weiter entlang des Kolbenwassers nach Drum. Wir entscheiden uns für den gelben Wanderweg am Rande der Koselschlucht (Kozelská rokle), ein naturnaher Pfad mit schönen Ausblicken. Am Roßteich (Konsky Rybnik) eignen sich die steil in das Wasser abfallenden Felsen (Smrtka), auf die man über eine eingehauene Treppe gelangen kann, bestens für eine Rast. Wir eilen aber weiter nach Drum, denn das Wasser ist uns längst ausgegangen.

Frisch aufgefüllt ist die Begehung des Ronberg natürlich ein Muß. Beeindruckend ist hier die Aussicht über die Hohlener Teichlandschaft (Holanské rybníky). Beim Abstieg nähern wir uns beim Meierhof Strann (Stranné) der Daubaer Schweiz und gehen weiter nach Bleiswedel (Blíževedly). Wir befinden uns jetzt im traditionellen Hopfenanbaugebiet um Auscha und treffen auf weite Flächen, die mit den typischen Hopfen-Gestellen ausgestattet sind. In Bleiswedel verlassen wir den Kegelweg, der über Skalken (Skalka) und die Helfenburg nach Auscha führt. In der Literatur ist aber eine Variante beschrieben, die unserem Weg ähnelt.

Da unser nächstes Quartier in Ostre auf uns wartet, entscheiden wir uns, den Ort auf direktem Wege anzusteuern. Dabei lernen wir, daß es ein Auschaer Sandsteingebirge gibt (Úštěcké pískovce), durch welches wir uns im wahrsten Sinne des Wortes hindurch navigieren. Trotz eines unübersichtlichen Wegesystems und einigem Hin und Her schaffen wir es, unmittelbar bei unserer Pension anzukommen. Die Pension Statek pod Kalvarií (http://www.ostre22.cz/) ist eine Perle und kann nicht genug gelobt werden. Und das Beste: hier gibt es Tschernosseker Wein. Wir werden noch darauf zurückkommen. Die Pension befindet sich unmittelbar am Kapellenberg (Kostelicky), von dem aus eine weite Sicht über Auscha und in das Böhmische Mittelgebirge möglich ist. Leider waren die beiden Kapellen in der Vergangenheit dem Vandalismus ausgesetzt, aber es scheint sich heute etwas zu tun. Wir zitieren dazu aus Wikipedia :

'Die beiden barocken Kapellen oberhalb einer steinernen Freitreppe, zu denen von Ostré ein Kreuzweg führt, wurden zwischen 1703 und 1707 durch den Leitmeritzer Baumeister Octavio Broggio im Auftrag der Jesuiten zu Liebeschitz erbaut. Nach einer letzten Restaurierung im Jahre 1928 erfolgte in den 1950er Jahren durch Kunstschänder eine Plünderung und Zerstörung der Anlage. Der verwahrloste Kalvarienberg wurde im Jahre 2005 vom wilden Baum- und Strauchbewuchs befreit.'

Welch barbarische Veranlagung gehört dazu, die Sandsteinplastiken von ihren Sockeln zu stoßen und diese zu zertrümmern ? Trotz allem hat der Platz etwas Romantisches und so genießen Kenner die wunderbare Stimmung, wenn die Sonne hinter den Bergen des Mittelgebirges untergeht. Die beiden Türme der Kapellen sind so markant, daß sie noch vom Lobosch und Milleschauer ausgemacht werden können (wenn man weiß, wo man suchen soll).